Daten & Privatsphäre

Was mit euren Daten passiert.

„Wenn etwas gratis ist, seid ihr das Produkt"

Die meisten Apps und Dienste kosten kein Geld – und trotzdem verdienen die Firmen dahinter Milliarden. Wie? Mit Daten. Jede App sammelt, was ihr tut, wo ihr seid und wen ihr kennt, baut daraus ein Profil und verkauft den Zugang dazu an Werbetreibende. Das ist kein Missbrauch, sondern das Geschäftsmodell. Wer das einmal verstanden hat, sieht vieles anders: Nicht ihr seid die Kundschaft – eure Aufmerksamkeit und eure Daten sind das Produkt, das verkauft wird.

„Sharenting" – was mit den Bildern passiert

Es ist verständlich: Man ist stolz und teilt ein Foto. Aber jedes Bild, das online geht, lässt sich kaum mehr zurückholen – und ein Kind kann nicht zustimmen.

Ein paar Zahlen, die zum Nachdenken anregen: Laut einer Studie der Northumbria University haben 80 % der Kinder schon vor dem zweiten Geburtstag eine Online-Präsenz, und Eltern teilen im Schnitt rund 1 500 Bilder, bevor das Kind fünf ist. Die Bank Barclays schätzte, dass bis 2030 zwei Drittel des Identitätsbetrugs bei jungen Menschen auf Sharenting zurückgehen könnten.

Warum das riskant ist:

Fotos sind biometrische Daten. Gesichter lassen sich auslesen, durchsuchen und für Fälschungen (Deepfakes) missbrauchen.

Kleine Details ergeben ein Gesamtbild. Name, Geburtsdatum, Schulname, Lieblingsverein, Haustiername – genau solche Angaben nutzen Betrüger, um Passwörter zu erraten oder Identitäten zu stehlen.

Der Standort verrät zu viel. Ein Foto im Schul-T-Shirt mit Ortsmarke zeigt Fremden, wie das Kind heisst, wie alt es ist und wo man es findet.

Das ist kein Vorwurf an alle, die schon Fotos geteilt haben – sondern eine Einladung, ab jetzt bewusster zu sein:

Wie Apps und Geräte Daten sammeln

Beim Installieren tippt man schnell auf „Erlauben" – und gibt damit oft mehr preis als nötig: Standort, Mikrofon, Kamera, Kontakte. Eine Taschenlampen-App braucht euren Standort nicht.

Der digitale Fussabdruck

Das Internet vergisst nichts. „Verschwindende" Nachrichten werden abfotografiert, gelöschte Fotos liegen längst auf fremden Servern, und der Fussabdruck eines Kindes beginnt oft schon mit dem Ultraschallbild. Was heute harmlos wirkt, kann in 15 Jahren ein Bewerbungsgespräch begleiten. Genau das dürfen Kinder früh lernen: Online ist nichts wirklich privat und nichts wirklich weg.

Konkrete Schritte – vom Einfachen zum Tieferen

Teil 1 – die einfachen Schritte (für alle)
  • Suchmaschine: DuckDuckGo oder Startpage statt Google – sie verfolgen euch nicht.
  • Browser: Firefox statt Chrome.
  • Messenger: Für Sensibles Signal statt WhatsApp (Ende-zu-Ende-verschlüsselt, sammelt fast keine Daten).
  • Werbe-Personalisierung ausschalten (iPhone: „Tracking erlauben" aus; Android: Werbe-ID zurücksetzen/löschen).
  • Standort in der Kamera ausschalten, damit Fotos keine Ortsdaten enthalten.
🔒 Teil 2 – für alle, die weiter gehen wollen
  • E-Mail: Proton Mail oder Tuta statt Gmail (verschlüsselt, in der Schweiz/EU).
  • VPN: Mullvad oder Proton VPN verschleiern, welche Seiten ihr besucht. (⚠️ Nicht auf Kindergeräten – siehe unten.)
  • Härtere Browser: Mullvad Browser oder LibreWolf.
  • Cloud: Proton Drive statt Google Drive – oder gleich selbst gehostet (siehe Königsklasse).
  • Passwörter: ein Passwort-Manager wie Bitwarden oder KeePass.

⚠️ Achtung: Datenschutz-Werkzeuge und Kinderschutz können sich widersprechen

Ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird: Einige dieser Werkzeuge gehören auf eure Geräte – nicht auf das des Kindes. Denn sie können genau die Schutzfilter aushebeln, die ihr (z. B. mit CleanBrowsing) eingerichtet habt:

  • DuckDuckGo: Die „sichere Suche" lässt sich dort mit einem Klick abschalten und ist nicht sperrbar. Auf einem Kindergerät ist das eine einfache Hintertür zu nicht jugendfreien Bildern. Für Kinder bleibt Google oder Bing mit erzwungener sicherer Suche die bessere Wahl.
  • Privacy-Browser mit eigenem verschlüsseltem DNS (z. B. Firefox, Brave): Sie können den Filter umgehen, weil sie ihre DNS-Anfragen an einen eigenen Anbieter schicken statt an euren Filter. Auf Kindergeräten entweder nicht installieren oder das eingebaute „verschlüsselte DNS / DNS over HTTPS" ausschalten.
  • VPNs (z. B. Mullvad): Ein VPN leitet den ganzen Datenverkehr um und hebelt jeden DNS- oder Router-Filter komplett aus. Auf einem Kindergerät hat ein VPN nichts verloren. (CleanBrowsing blockiert VPN-Seiten übrigens genau deswegen.)

Faustregel: Voller Datenschutz auf euren Geräten – auf dem Kindergerät hat der Schutz Vorrang. Wer auf dem Kindergerät beides will, nutzt den verschlüsselten Endpunkt des Filters selbst: CleanBrowsing bietet verschlüsseltes DNS (DoH/DoT) an, das filtert und verschlüsselt zugleich.

🏠 Die Königsklasse: euer eigener Server

Wer die Kontrolle ganz zurückholen will, hostet seine Daten selbst – auf einem kleinen Computer zu Hause statt in der Cloud von Google, Apple oder Dropbox. Das klingt nach IT-Profi, ist dank fertiger „App-Stores" aber erstaunlich zugänglich geworden. Ehrlich gesagt ist das ein Wochenend-Bastelprojekt – aber das Ergebnis ist die radikalste Form von Datenschutz: Eure Daten liegen bei euch zu Hause, sonst nirgends.

Womit anfangen:

  • Fertige NAS-Box (z. B. Synology): kaufen, einstecken, loslegen – am einfachsten, kostet aber etwas.
  • Gratis-Software wie CasaOS oder Umbrel OS: läuft auf einem günstigen Mini-PC oder Raspberry Pi und funktioniert wie ein App-Store – Apps mit einem Klick installieren.

Was ihr darauf laufen lassen könnt (jeweils „statt …"):

  • Immich – euer eigenes „Google Fotos": automatisches Foto-Backup vom Handy, mit App.
  • Nextcloud – eure eigene „Dropbox": Dateien, Kalender und Kontakte.
  • Jellyfin – euer eigenes „Netflix" für eigene Filme und Musik.
  • Vaultwarden – ein eigener Passwort-Tresor.
  • AdGuard Home – blockiert Werbung und Tracker fürs ganze Heimnetz (passt perfekt zum Rest dieser Seite).

Wie verbindet man das Handy? Jede dieser Apps hat eine eigene Handy-App: Server-Adresse eingeben, anmelden, fertig. Damit das auch unterwegs funktioniert (nicht nur im Heim-WLAN), nutzt man Tailscale – ein kostenloser, einfacher Dienst, der einen privaten, verschlüsselten Tunnel zwischen Handy und Heimserver aufbaut. Kein Ports-Öffnen, kein Fachwissen nötig.

Lust, tiefer einzusteigen? Gute Startpunkte sind casaos.io, umbrel.com und die Community auf reddit.com/r/selfhosted.

Daten haben einen Wert

Erklärt euren Kindern, dass ihre Daten einen Wert haben – sonst wären die Apps nicht gratis. Bringt ihnen bei, vor dem Teilen kurz innezuhalten: „Würde ich das einem Fremden auf der Strasse erzählen?" Wer früh lernt, dass Privatsphäre etwas wert ist, schützt sich ein Leben lang besser. Und wie immer gilt: Das Gespräch wirkt stärker als jede Einstellung.

Quellen